Sommerschultag der Landwirtschaftsschule zu Hackfruchtanbau
Methoden der Herbizideinsparung im Zuckerrübenanbau
Zoombild vorhanden
Studierende auf einem Versuchsfeld. © AELF DS
Ob und wie sich im Zuckerrübenanbau Pflanzenschutzmittel reduzieren lassen, untersuchte Johannes Saller, Studierender der Landwirtschaftsschule Straubing, in seinem Sommerprojekt. Alle 19 Studierenden besichtigten die Versuche.
Mechanische Verfahren
In den mechanischen Varianten wird durch Hacken und Striegeln versucht, die Unkräuter auszureißen und zu verschütten. Bei den chemischen Varianten werden mit selektiven Herbiziden die Unkräuter bekämpft, ohne dabei die Zuckerrübe zu schädigen. Saller erklärte, unterstützt von Pflanzenbaulehrkraft Anton Maier, die Chancen und Risiken der verschiedenen Möglichkeiten.
Problematisch bei hohen Niederschlägen
Dank der flachen Topografie des Gäubodens könne gut mit mechanischer Unkrautregulierung gearbeitet werden, da nur geringe Erosionsgefahr durch Wasser herrsche, ergänzte Maier. „Leider gibt es in Jahren mit hohen Niederschlägen auch Probleme: Vor allem durch Verunkrautung in den Zuckerrübenreihen.“
Hacken von Reihenkulturen kostet Zeit
Zusätzlich sei das Zeitfenster für das Hacken von Reihenkulturen sehr eng und der Landwirt brauche deutlich mehr Arbeitszeit. Aufgrund des hohen Wirkungsgrads und der Wirksicherheit setzten die meisten Landwirte auf die chemische Unkrautregulierung. Diese greife wenig in den Boden ein und schone auch Bodenbrüter wie den Kiebitz. Doch steige das Interesse an der mechanischen Unkrautregulierung, da immer mehr chemische Wirkstoffe wegfielen.
Förderprojekt zu kombiniertem Geräteeinsatz
Einen anderen Weg mechanischer Unkrautregulierung testete Jakob Berg für seine Promotion auf dem elterlichen Betrieb in Innerhienthal. Er bearbeitet im Verband bayerischer Zuckerrübenanbauer verschiedene Forschungs- und Praxisprojekte. Ein vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus finanziell gefördertes Projekt wurde Ende 2025 erfolgreich abgeschlossen.
Modernes Hackgerät plus Bandspritze-Prototyp
Dabei sollte die Herbizidmenge durch die absätzige Anwendung eines modernen Hackgerätes und eines modernen Bandspritze-Prototypen der Firmen Horsch und Horsch Leeb reduziert werden – verglichen mit ausschließlich herbizider Flächenapplikation. Beim Besuch des Betriebes erklärte Berg den Studierenden das Vorgehen.
Bis zu 220 Hektar Projektfäche
22 Landwirte beteiligten sich und stellten einen Teil ihrer Rübenanbaufläche um Aiterhofen zur Verfügung, so dass in jedem der drei Projektjahre die Fläche zwischen 160 und 220 Hektar Zuckerrüben betrug. Je Überfahrt wurden bei der Bandspritzung im Vergleich zur Flächenapplikation 60 Prozent der Herbizidmenge durch das Band/Hacke-Verfahren eingespart.
Kamerasteuerung erlaubt exakte Herbizidausbringung
Beide Maschinen sind mit kameragesteuerten Verschieberahmen ausgestattet, die das Anbaugerät automatisch entlang der Zuckerrübenreihen ausrichten und das jeweilige herbizide Spritzband von 20 Zentimetern auch bei großer Arbeitsbreite von 18 Metern exakt auf die Zuckerrübenreihe applizieren. Die innovative Maschine wurde von Horsch Leeb eigens für das Projekt konstruiert.
Wirtschaftlichkeit nur im überbetrieblichen Einsatz
Während der Anwendungen wurden relevante Einsatzparameter der Maschinen automatisch erfasst und wirtschaftlich analysiert. Erst ab 200 Hektar Rübenanbaufläche beginne dieses Band/Hacke-Verfahren sich zu rechnen, sagte Berg. „Das erlangt man in bayerischen Flächenstrukturen grundsätzlich nur im überbetrieblichen Einsatz.“ Demgegenüber stehe die erhöhte Witterungsabhängigkeit des Verfahrens.
Betriebsindividuelles Abwägen von Vor- und Nachteilen der Verfahren
Die mechanische Beiwuchskontrolle, kombiniert mit reduzierter Herbizidapplikation, erlebe seit wenigen Jahren eine Renaissance. Außer der Unkrautbeseitigung könne eine mechanische Beiwuchskontrolle mittels Hacken zu einem geförderten Rübenwachstum führen, weil etwaige Bodenverkrustungen aufgebrochen werden, der Boden besser durchlüftet und schneller erwärmt wird. "Dieser Effekt ist aber sehr jahresabhängig. Vor- und Nachteile der herbizidreduzierten Beiwuchskontrolle müssen betriebsindividuell abgewogen und die Einsatzentscheidung unbedingt den einzelnen Landwirten überlassen werden“, schloss Berg.
Auch Spot Spraying getestet
Das Projekt beinhaltete zudem die weitere Förderung und Erprobung des Spot Spraying. Dabei werden Unkräuter mittels Bildverarbeitung und Künstlicher Intelligenz visuell erfasst, erkannt und punktgenau erfolgt eine chemische Herbizidapplikation durch kurzzeitiges Öffnen der entsprechenden Spritzdüse. Je nach Grundverunkrautung des zu behandelnden Ackerschlages sind so Herbizideinsparungen bis zu 90 Prozent möglich. Allerdings sei bei der Einzelpflanzenerkennung im Online-Verfahren noch Luft nach oben, sagte Berg. Auch eigne sich das Verfahren nur für blattwirksame Herbizide. Für bodenwirksame Herbizide bleibe die Flächen- oder Bandspritze entscheidend.

