50. Steinacher Grünlandtag
Schnitthöhen und Mäusebekämpfung im Fokus
Zoombild vorhanden
Besucher des Grünlandtags diskutieren Möglichkeiten der Mäuseregulierung.
© Christine Schmid, AELF DS
Beim 50. Steinacher Grünlandtag im Sommer 2026 wurden unter anderem Versuche erörtert, die zeigen sollten, welche Vor- und Nachteile der Tief- und der Hochschnitt bringen. Ist der Nachwuchs bei Trockenheit besser, wenn höher gemäht wird? Beeinflusst die Schnitthöhe die Qualität des Schnittguts? Machen zwei bis drei Zentimeter mehr oder weniger Schnitthöhe einen Unterschied in der Verschmutzung? Florian Scharf vom AELF Abensberg-Landshut und Franziska Nadler von der Versuchsstation Steinach beantworteten diese und mehr Fragen.
Mit späten und frühen Sorten für größeres Schnittfenster sorgen
Sie rieten, auch spätere und mittelfrühe Sorten zu nutzen. Es gebe Sorten, die im ersten Hochschnitt guten Ertrag brächten, und Sorten, die erst in den Folgeschnitten gut seien, damit aber den Verlust des ersten Schnittes mehr als ausglichen. Die Fachleute regten an, später blühende Sorten zu nutzen, um eventuell einen Schnitt zu sparen. Die Versuche sollen fortgeführt werden, um noch genauere Kenntnisse bezüglich der Inhaltsstoffe zu gewinnen.
Intensive und extensive Flächen nebeneinander
Dr. Stephan Hartmann vom Institut für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung an der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sprach über „Abgestufte Grünlandnutzung“ – einen ungewohnten Begriff. Doch würden nach Aussage Hartmanns schon viele Betriebe diese praktizieren, ohne es so zu nennen. Nicht jede Wiese werde gleich intensiv genutzt. „Was wir brauchen, ist ein Nebeneinander von intensiven und extensiven Flächen“. Nicht alle Tiere bräuchten dauernd höchste Qualität. „Aber nur Pferdeheu kann nicht die Standardlösung sein.“
„Nur mit extensiver Bewirtschaftung ist die Landwirtschaft nicht zu erhalten“, sagte Hartmann. Grünland sei alles andere als einheitlich. So gebe es eine starke Streuung der Schnittintensität und der Zusammensetzung der dort wachsenden Arten. Ab 25 Arten gelte Grünland als artenreich, was bereits ein Viertel der bayerischen Flächen erreiche.
Regulierung von Wühl-, Scher- und Feldmaus
Da sich in den vergangenen Jahren erneut stärkere Schäden durch Mäusebefall gezeigt haben, widmete sich der letzte Vortrag der Regulierung dieser Schädlinge. Dr. Ullrich Benker, Zoologe am Institut für Pflanzenschutz der LfL, stellte die drei Wiesenbewohner vor, die dem Landwirt Probleme bereiten. Die zwei Wühlmausarten, die größere Schermaus und die kleinere Feldmaus, verursachen Fraßschäden im Grünland.
Maulwürfe schonen
Der Maulwurf stört die Ernte des Grundfutters vor allem durch das Anlegen zahlreicher Erdhaufen, was zu Verunreinigungen des Futters führt. Als Insektenfresser hat er aber auch seine guten Seiten, weshalb er artenschutzrechtlich zu schonen ist und nicht bekämpft werden darf.
Wenige Tage vor dem Mähen sollte der Landwirt deshalb seine Wiese abschleppen, wodurch die Maulwurfshügel eingeebnet werden und das Gras nach dem Wiederaufrichten problemlos geerntet werden kann. Alternativ kann der Maulwurf durch Vergrämungsmittel, welche Calciumcarbid enthalten, aus der Wiese vertrieben werden.
Mäusepopulationen nicht unterschätzen
Die Populationen der Schermaus und insbesondere der Feldmaus sollte ein Landwirt ständig im Blick haben. Milde Winter sowie trockene und heiße Sommer führen oft zu einer Massenvermehrung der Feldmaus und aus einzelnen Exemplaren zu Saisonbeginn kann eine besorgniserregend hohe Zahl an Nachkommen entstehen.
Zum Ermitteln des Feldmaus-Besatzes einer Wiese lässt sich die Lochtretmethode anwenden. Dazu steckt man ein Quadrat von 16 mal 16 Metern ab und tritt mit seinen Stiefeln alle kleinen Fluchtlöcher der Feldmaus zu, die man zwischen den oberirdischen Laufwegen in der Grasnarbe feststellt. Nach exakt 24 Stunden zählt man die wiedergeöffneten Löcher. „Hat man in seinem Quadrat mehr als acht, so ist es höchste Zeit für eine Maßnahme“, sagte Benker.
Im Biobetrieb natürliche Mausfeinde fördern
Als Prophylaxe und einzig mögliche Maßnahme für Biobetriebe ist die Förderung natürlicher Feinde zu sehen. Die Ansiedelung von Hermelin und Mauswiesel wird durch das Anlegen von Steinhaufen, Holzhaufen und Hecken am Wiesenrand erleichtert. Beutegreifer wie den Mäusebussard unterstützt man mit dem Aufstellen von Sitzstangen. Höhere Sitzstangen (drei Meter) mit einem eckigen Aufsitzholz werden besonders gerne von Greifvögeln angenommen. Auch nachtaktive Räuber wie der Fuchs, der Uhu oder die Schleiereule sind hervorragende Feldmaus-Prädatoren.
Funktion unterschiedlicher Totschlagfallen
Die erste Stufe in der aktiven Bekämpfung der Schermaus ist der Einsatz von Totschlagfallen. Alle im Handel erhältlichen Draht- und Zangenfallen funktionieren gut. Meist hängt es von der Fingerkraft oder der Geschicklichkeit des Anwenders ab, ob man mit einem bestimmten Fallentypus zurechtkommt. Der Nachteil solcher Fallen ist, dass sie versteckt im Gang ausgelegt werden müssen und der Fangerfolg nicht direkt sichtbar ist. Bei der Topcat- oder Supercat-Falle ist dies nicht der Fall, da man hier bereits oberirdisch sieht, ob der Mechanismus ausgelöst wurde.
Giftköder ausschließlich verdeckt ausbringen
Die nächste Stufe ist der Einsatz von Giftködern. Aktuell sind nur Präparate auf der Basis des Akutgiftes Zinkphosphid, sowohl für Schermaus als auch Feldmaus, zugelassen. Je nach Fressverhalten der Wühlmausart ist die Form des Köders angepasst worden. Der Köder für die kleine Feldmaus sind Weizenkörner oder Giftlinsen. Für die Schermaus sind eher riegel- oder snackartige Köder entwickelt worden.
Wichtig in der Anwendung von Giftködern ist, dass verdeckt ausgebracht werden muss und Köder nicht erreichbar für Nichtzieltiere wie Zugvögel oder Haustiere sind. Für das verdeckte Auslegen von Ködern auf kleineren Flächen sind eine Legeflinte oder Köderstationen geeignet. Zur Behandlung von größeren Flächen kann man einreihige Legemaschinen wie den Schermauspflug oder mehrreihige Köderlegemaschinen heranziehen.
Aktuelle Anwendungsbestimmungen beachten
Benker mahnte: „Es sind immer die aktuell gültigen Anwendungsbestimmungen und Auflagen von Präparaten zu beachten. Für die sachgerechte Bekämpfung von Wühlmäusen ist der Betriebsleiter verantwortlich. Die Begasung von Schermausgängen über die Abgase von Zweitakt- oder Viertaktmotoren ist genauso verboten wie die Anwendung von Aluminium- oder Calciumphosphid-Präparaten.“

