Praktikergespräch an der Landwirtschaftsschule Straubing
CeresAward-Gewinner Leonhard Rösel stellt sein Betriebskonzept vor

Leonhard Rösel steht vor der Klasse und stellt seinen Betrieb mit Hilfe einer PowerPointPräsentation vorZoombild vorhanden

CeresAward-Gewinner Rösel

Leonhard Rösel war Junglandwirt des Jahres 2020. So darf sich nennen, wer den bundesweit ausgelobten CeresAward des Fachmagazins agrarheute gewinnt und damit unter Beweis gestellt hat, dass er innovativ ist und neue Wege auf seinem Betrieb geht.

Im Rahmen der regelmäßig stattfindenden Praktikergespräche, die den angehenden Landwirtschaftsmeistern den Blick über den Tellerrand ermöglichen sollen, war er zu Gast an der Landwirtschaftsschule Straubing.

Der Hof der Familie Rösel in Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg in der Oberpfalz kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Während die Großmutter von Leonhard Rösel Milchvieh hatte und sein Vater den Betrieb im Nebenerwerb bewirtschaftete, sieht er seine Zukunft als Haupterwerbslandwirt in einem Biobetrieb mit Biogasanlage. Keine ganz alltägliche Kombination. "Jede Generation setzt eben ihre eigenen betrieblichen Schwerpunkte", so Rösel schmunzelnd. 2006 hat er seinen Vater davon überzeugt in Biogas zu investieren.

Wege in die Zukunft

Den vielen Herausforderungen in der Landwirtschaft begegnet der 32jährige offensiv. Er ist überzeugt, dass Erosionen, der Abtrag von Humus sowie die Nährstoffauswaschung aus dem Boden und der damit ungewollte Nährstoffeintrag ins Grundwasser durch ackerbauliche Maßnahmen verhindert werden kann. Sein Ziel ist es weitestgehend auf den Pflug zu verzichten. "Statt einer Frostgare erreiche ich die Bodengare über die Pflanzenwurzeln", betont Rösel. Dazu feilt er ständig an der Bodenbearbeitung, der Düngung und probiert immer wieder neue Mischungen für den Zwischenfruchtanbau aus. Durch eine möglichst flache, an Witterung und Standort angepasste Saatbeetbereitung verhindert er eine Schädigung der Bodenstruktur.
Regenwürmer in der Erde auf einer HandZoombild vorhanden

Regenwürmer sind die besten "Mitarbeiter" im Ackerbau

Im konsequenten Anbau von Sommerzwischenfrüchten, selbst zwischen Roggen und Triticale und der selbstverständlichen Winterbegrünung mit zum Teil nichtabfrierenden Zwischenfrüchten sieht Rösel viele Vorteile: Humus wird im Boden aufgebaut, Wasser und Nährstoffe im Boden gespeichert und die Bodenstruktur gewünscht feinkrümelig. Mit Spaten und Bodensonde bewaffnet kontrolliert er regelmäßig wie es um seinen Boden bestellt ist. "Bodenleben bei der Arbeit", nennt es Leonhard Rösel, wenn er bei der Spatenprobe mehrere Regenwürmer auf dem Spaten hat.
Seine nächste Herausforderung sieht der engagierte Landwirt darin, Biogasanlage und Ökolandbau zu vereinen. Seit 2021 hat er begonnen seinen Betrieb umzustellen. Nach zwei Stunden mit fachlichem Input und angeregten Diskussionen gab er den Studierenden der Landwirtschaftsschule Straubing noch eine Liedzeile der Punkrockband "Die Ärzte" mit auf den Weg: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt."